Schnorchel - die letzte Hoffnung der U-Boote
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Oben: Schnorchelkopf von U 637
Oben: Schnorchelkopf von U 992
   
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Oben: Schnorchelkopf von U 481
Oben: Schnorchelkopf von U 1109
   
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Zeichnung Schnorchelkopf
Querschnitt Schnorchelkopf

Am 24. Mai 1943 stellte der BdU den Geleitzugkampf im Nordatlantik wegen der schweren Verluste in den vorangegangenen Wochen vorläufig ein. Die Hauptursache der Niederlage sah man auf deutscher Seite in der alliierten luft- und seegestützten Radarortung, die es ihm scheinbar ermöglichte, sowohl die breiten Aufklärungsstreifen zu erkennen und zu umgehen als auch einzelne Boote bei Tag und Nacht zielsicher anzugreifen. Im Juni 1943 erörterte man im OKM auf einer Konferenz zusammen mit führenden Hochfrequenzwissenschaftlern die Frage nach einem möglichen Schutz für die Boote. Gefordert wurde anfänglich ein Ortungsschutz für das gesamte Überwasserschiff gegen die bis zu diesem Zeitpunkt im Seekrieg erkannte Radarortung im Meter-Wellenbereich. Spätere Versuche ergaben jedoch, daß eine Herabsetzung der Energiereflexion der einfallenden Radarstrahlung auf 1% lediglich im Bereich des Turmaufbaues für das angestrebte Ergebnis vollauf genügte. Die gesamten Forschungs- und Entwicklungsarbeiten wurden in einer neugegründeten Arbeitsgemeinschaft »Schwarzes Uboot« unter dem Tarnnamen »Schornsteinfeger« zusammen-gefaßt. Die technische Leitung des Projektes übernahm Marinebaurat Dr. Kühnhold vom NVK.Die anfänglich für den Meter-Bereich erarbeiteten Ortungsschutz-Verfahren für das aufgetauchte Boot litten jedoch unter dem ungelösten Problem der mangelnden Seefestigkeit der Anlagen. Mit der Feststellung des Einsatzes von Zentimeter-Radargeräten auf alliierter Seite im Seekrieg im Sommer 1943 erhielten die Arbeiten in diesem Wellen-bereich, auch vor dem Hintergrund der nunmehr katastrophalen Verluste im Ubootkrieg, vorrangige Bedeutung. Wesentlich erleichtert wurde die Auf-gabe mit der unabhängigen Ein-führung des Schnorchels ab Ende 1943, mit dessen Hilfe es den Booten nun möglich wurde, beinahe vollständig unter Wasser zu operieren. Jedoch waren die einge-setzten alliierten Radargeräte bei guten Bedingungen auch in der Lage, den bei Schnorchelfahrt über Wasser befind-lichen kleinen Schnorchelkopf zu orten. Unter günstigen Umständen betrugen die möglichen Reichweiten gegen den un-verkleideten Schnorchel-kopf bei 1 m Ausfahrhöhe 20 bis 25% der Breit-seitreichweite des aufgetauchten VII C-Bootes.
Im Frühjahr 1944 war die Entwicklung eines elektrischen Sumpfes für den Zentimeter-Wellenbereich abgeschlossen, der nach den Plänen von Prof. J. Jaumann in Zusammenarbeit mit der IG-Farben entstand und später die Bezeichnung Schalen-Sumpf erhielt. Dieser sogenannte »Leitwert-Sumpf« bestand aus einer Aufeinander-folge von leitfähigen Schichten aus halbdurchlässigem Papier und die-lektrischen Stützschichten sehr niedriger Dielektrizitätskonstante, wobei die Leitfähigkeit der leitenden Schichten von außen nach innen exponentiell zunahm. Das anfängliche Problem der Wasser- und Druckfestigkeit der Stütz-schichten wurde dabei durch die Verwendung von Zelligelit, einem Kunststoff geringen spezifischen Gewichtes, erfolgreich gelöst. Der gesamte, aus je sieben einzelnen, miteinander verklebten Schichten aufgebaute Sumpf war nur 7 cm dick. Im Wellenbereich von 3-20 cm ergaben sich bei den Erprobungen Reflexions-koeffizienten unter 10% mit einem Minimum von unter 1 % für die haupt-sächlich von den alliierten Radargeräten genützte 9-cm-Welle.

Daraus resultierte eine Verringerung der Ortungsreichweite um 65% und mehr gegenüber dem ungetarnten Schnorchel. Aus fertigungs-technischen Gründen war dieser Ortungsschutz jedoch nur bei dem zylindrischen Ringschwimmer-Kopfventil anwendbar und fiel damit für eine Tarnung des komplexen Kugelschwim-merventils aus, mit dem die Mehrzahl der deutschen Schnorchel-anlagen bis Kriegsende serienmäßig ausgerüstet war. Dies war der Hauptgrund für den im Juni 1944 beschlossenen Übergang zum Ringschwimmer, von dem am 20. Juni 1944 330 Anlagen in Auftrag gegeben wurden, obwohl dessen Erprobung bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig abgeschlossen war. Bereits am 4. Mai 1944 hatte das OKM entschieden, künftig alle Ringschwimmer-Kopfventile mit dem neuen Ortungssumpf auszurüsten. Am 20. Juni 1944 bestellte dann die Germania-werft Kiel, die als Generalunternehmer für Typ Vll-Schnorchelanlagen fungierte, 304 Schalen-Sümpfe bei der IG-Farben, von denen die ersten zwei Anlagen am 30. September 1944 an die GW übergeben wurden.

Bei der Tarnung des Kugelschwimmers erprobte man zunächst eine Blechkegel-Konstruktion von 130 cm Durchmesser, die nach dem Prinzip der abweisenden Tarnung arbeitete und die Bezeichnung »Lampenschirm« trug. Im Juli/August 1944 kamen drei dieser Anlagen zur Erprobung auf U 1024, U 1060 und U 1064 zum Einbau. Jedoch bot sich inzwischen mit der unter der Leitung von Prof. Wesch vom Weitpost-Institut Heidelberg entwickelten »Weschmatte« eine bessere Lösung an. Die Absorp-tionswirkung dieses Ortungsschutzes beruhte im wesentlichen auf Interferenz. Obwohl damit seine Wirkung auf einen engen Frequenzbereich beschränkt war, ergaben Versuche eine Reduzierung der Ortungsreichweite um 50% bei den festgestellten alliierten Radargeräten. Wegen ihrer Elastizität und der geringen Dicke von1 cm war die Weschmatte besonders für die Beklebung der in großer Zahl eingebauten Kugelschwimmer Kopfventile geeignet.

Ab September 1944 begann die Beklebung der Schnorchelköpfe bei verschied-enen Werften während der Frontaus-rüstung der Boote in Kiel. Zwischen Herbst 1944 und März 1945, als die Produktionsanlagen der IG-Farben durch Bombenangriff ausfielen, wurden etwa 150 Schalen-Sümpfe hergestellt, von denen rund 100 auf U-Booten zum Einbau kamen. Die Fertigung der Weschmatte im selben Zeitraum hätte für die Tarnung von etwa 200 Schnorchelanlagen ausgereicht, doch dürften wegen der allgemeinen Lage auf dem Werftsektor nicht mehr als 150 Boote aller Typen damit beklebt worden sein.

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